Coldcard-Hack: Was passiert ist und wie man sich schützt
Eine Schwachstelle in der Firmware des Coldcard (Coinkite) hat den Zufallszahlengenerator, der zur Erzeugung bestimmter Seed-Phrasen verwendet wurde, geschwächt. Dies ermöglichte Angreifern, private Schlüssel zu rekonstruieren und etwa 1.367 BTC (fast 89 Millionen Dollar) von über 4.500 Adressen zu stehlen, ohne physischen Zugriff auf die Geräte. Die Modelle Mk3 mit Firmware 4.0.1 bis 4.1.9 sind formell betroffen.
Ein Hardware Wallet soll der sicherste Ort sein, um Bitcoin aufzubewahren. Genau diese Annahme wurde durch einen jüngsten Vorfall erschüttert: Seit Ende Juli 2026 hat eine Firmware-Schwachstelle im Coldcard, hergestellt von der kanadischen Firma Coinkite, den Diebstahl von mehreren zehn Millionen Dollar ermöglicht, ohne dass jemals physischer Zugriff auf die Geräte erforderlich war.
Was ist passiert?
Ab dem 30. Juli 2026 zielten mehrere koordinierte Angriffswellen auf Bitcoin-Wallets ab, die auf Coldcard-Wallets generiert wurden. Eine erste Welle ermöglichte den Diebstahl von etwa 594 BTC (fast 38 Millionen Dollar) in nur 25 Minuten von etwa 500 Adressen.
Die folgenden Wellen, dokumentiert von der Blockchain-Forschungsfirma Galaxy Research, ließen die Gesamtbilanz auf etwa 1.367 BTC ansteigen, was fast 89 Millionen Dollar entspricht, die von über 4.500 Adressen gestohlen wurden. Einige breitere Schätzungen sprechen sogar von über 100 Millionen Dollar auf mehreren tausend Konten insgesamt.
Dies ist einer der größten dokumentierten Diebstähle, die jemals von "Cold Storage"-Geräten ausgingen, die normalerweise als die sicherste Methode zur Aufbewahrung von Kryptowährungen gelten.
Woher kommt diese Schwachstelle?
Den veröffentlichten technischen Analysen, insbesondere vom Ingenieurteam von Block, zufolge geht das Problem auf eine Codeänderung im März 2021 zurück. Diese Änderung führte auf einigen Geräten zu einem stillen Wechsel des Zufallszahlengenerators: Anstatt den vorgesehenen Hardware-Generator zur Erzeugung der Seed-Phrase zu verwenden – der 128 Bit Entropie erzeugen sollte, ein Zufallsniveau, das jeden Versuch, den Schlüssel zu erraten, praktisch unmöglich macht – begann die Firmware, einen wesentlich schwächeren Software-Generator zu verwenden.
Auf Coldcard Mk3 Geräten soll diese Schwachstelle den effektiven Suchraum auf nur etwa 40 Bit reduziert haben, ein Niveau, das für Berechnungen viel zugänglicher ist. Dies ermöglichte es einem Angreifer, bestimmte Seed-Phrasen zu rekonstruieren und die entsprechenden Gelder zu stehlen – ohne jemals physischen Zugriff auf das Gerät des Opfers benötigt zu haben. Coinkite bestätigte die Existenz dieser Schwachstelle, präzisierte jedoch, dass die Schätzung von 40 Bit zum aktuellen Untersuchungsstand noch vorläufig sei.
Welche Geräte sind betroffen?
Nach den bisher verfügbaren Informationen:
- Die Coldcard Mk3, die mit den Firmware-Versionen 4.0.1 bis 4.1.9 betrieben wurden, sind formell als anfällig identifiziert.
- Vorsorglich hat Coinkite auch Patches für die Modelle Mk4, Mk5 und Q veröffentlicht, ohne Bestätigung, dass diese in gleicher Weise betroffen sind.
- Relevant ist nicht die heute installierte Firmware-Version, sondern die Version, die zum Zeitpunkt der Generierung der Seed-Phrase verwendet wurde – ein Update der Firmware behebt keine bereits kompromittierte Seed, die auf einer anfälligen Version erstellt wurde.
Ein bemerkenswerter Punkt, der von mehreren Forschern hervorgehoben wurde: Benutzer, die bei der Konfiguration ihres Wallets eine externe Entropiequelle verwendet haben (eine Methode, die manchmal als "Roll your own dice" bezeichnet wird und darin besteht, einen Teil des Zufalls selbst zu generieren, z.B. mit physischen Würfeln), waren von dieser Schwachstelle nicht betroffen, da ihre Seeds für Angreifer unvorhersehbar blieben.
Was dieser Vorfall an der Selbstverwahrung ändert (und nicht ändert)
Dieses Ereignis hat die Debatte über die Zuverlässigkeit der Selbstverwahrung (Self-Custody) gegenüber delegierten Verwahrungslösungen (regulierte Börsen, Spot-Bitcoin-ETFs) neu entfacht. Mehrere Sicherheitsexperten, darunter das Unternehmen Blockaid, erinnern jedoch an einen wichtigen Kontext: Im ersten Halbjahr 2026 stammte die Mehrheit der Krypto-Verluste in der Branche bereits aus kompromittierten Schlüsseln und operativen Sicherheitsfehlern, eher als aus Smart-Contract-Schwachstellen oder Börsen-Hacks. Der Fall Coldcard reiht sich in diesen breiteren Trend ein.
Dieser Vorfall zeigt nicht, dass die Selbstverwahrung riskanter ist, als Kryptos auf einer Börse zu lassen – er illustriert eine andere Art von Risiko, die spezifisch für Hardware ist.
Sicherheitsforscher betonen diesen Punkt: Es handelt sich um ein Risiko im Zusammenhang mit der Integrität der Firmware und der Lieferkette, und nicht um ein Gegenpartei- oder Solvenzrisiko einer zentralisierten Plattform. Ein Hardware-Wallet bleibt prinzipiell sicherer als eine Online-Speicherung – vorausgesetzt, sein Design und seine Firmware sind einwandfrei.
Was tun, wenn Sie einen Coldcard besitzen?
Wenn Sie betroffen sind, empfehlen Sicherheitsexperten folgende Maßnahmen:
- Überprüfen Sie die Firmware-Version, die zum Zeitpunkt der Erstellung Ihrer Seed verwendet wurde, und nicht nur Ihre aktuelle Version.
- Geraten Sie nicht in Panik, aber handeln Sie schnell: Übertragen Sie Ihre Guthaben auf ein neues Wallet mit einer auf einer korrigierten Firmware generierten Seed.
- Senden Sie zuerst eine Testtransaktion mit einem geringen Betrag, bevor Sie Ihr gesamtes Guthaben übertragen, und überprüfen Sie sorgfältig die Zieladresse.
- Betrachten Sie alle vom selben Gerät generierten Adressen als potenziell kompromittiert – ein einziger Coldcard generiert oft mehrere Konten.
- Bleiben Sie wachsam gegenüber opportunistischen Betrügereien, die nach solch hochkarätigen Vorfällen üblicherweise auftauchen (gefälschter technischer Support, gefälschte Tools zur "Geldwiederherstellung").
- Für komplexe Konfigurationen (Multisig, große Beträge) kann es sinnvoll sein, die Unterstützung eines professionellen Krypto-Sicherheitsexperten in Anspruch zu nehmen.
Wie sich diese Art von Risiko in Zukunft begrenzen lässt
Dieser Vorfall erinnert an mehrere bewährte Praktiken, die für jedes Hardware Wallet gelten, unabhängig vom Hersteller:
- Halten Sie Ihre Firmware auf dem neuesten Stand, da die von den Herstellern veröffentlichten Patches genau diese Art bekannter Schwachstellen beheben.
- Bevorzugen Sie Geräte, deren Zufallsgenerierung auf einem zertifizierten Hardware-Chip (EAL-Standard) basiert, der von unabhängigen Sicherheitslaboren geprüft wurde.
- Erwägen Sie eine Multisignatur-Konfiguration für größere Beträge, um das Risiko auf mehrere Geräte oder Parteien zu verteilen.
- Kaufen Sie Ihre Hardware ausschließlich bei offiziellen Händlern, um die Authentizität und Rückverfolgbarkeit des Geräts zu gewährleisten.
Es ist wichtig zu beachten, dass der Coldcard kein von Neowalt vertriebenes Produkt ist. Unsere Auswahl an Hardware-Wallets beschränkt sich auf die Modelle Tangem, CoolWallet, ELLIPAL, SafePal und Keystone, die jeweils direkt vom Hersteller bezogen werden, mit zertifiziertem EAL-Sicherheitschip und Echtheitsgarantie.
FAQ: Coldcard Hack
Was ist der Coldcard-Hack?
Es handelt sich um eine Firmware-Schwachstelle im Coldcard Hardware Wallet, hergestellt von Coinkite, die es einem oder mehreren Angreifern ermöglichte, Seed-Phrasen zu rekonstruieren und Bitcoin zu stehlen, ohne physischen Zugriff auf die betroffenen Geräte.
Wie viel Geld wurde beim Coldcard-Hack gestohlen?
Nach neuesten Schätzungen wurden etwa 1.367 BTC (fast 89 Millionen Dollar) von über 4.500 Adressen gestohlen, wobei einige breitere Schätzungen von insgesamt über 100 Millionen Dollar sprechen.
Sind meine Bitcoins sicher, wenn ich ein anderes Hardware Wallet habe?
Diese Schwachstelle ist spezifisch für die Coldcard-Firmware. Sie betrifft keine anderen Hardware-Wallet-Hersteller, erinnert aber an die Bedeutung, die Firmware auf dem neuesten Stand zu halten und ein Gerät zu wählen, dessen Schlüsselgenerierung auf einem zertifizierten Sicherheitschip basiert.
Was tun, wenn mein Coldcard betroffen ist?
Übertragen Sie Ihre Guthaben auf ein neues Wallet mit einer Seed, die auf einer korrigierten Firmware generiert wurde, testen Sie zuerst mit einem kleinen Betrag und betrachten Sie alle vom Gerät generierten Adressen als potenziell kompromittiert.
Zusammenfassung
Der Coldcard-Hack erinnert uns daran, dass ein Hardware Wallet nur so sicher ist, wie sein Software-Design. Im Gegensatz zu einem Börsen-Hack handelt es sich hier nicht um ein Gegenparteirisiko, sondern um ein technisches Risiko im Zusammenhang mit der Firmware und der Schlüsselgenerierung. Er stellt das Prinzip der Selbstverwahrung nicht in Frage, unterstreicht aber die Bedeutung, eine zuverlässige, aktuelle Hardware zu wählen, die aus garantierten Quellen stammt.
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informations- und Bildungszwecken. Er stellt in keiner Weise eine finanzielle, rechtliche oder Anlageberatung dar.
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